Mercury · 09. Juni 2026
Wer die westlichen Sanktionen gegen russisches Öl umgehen will, braucht ein hocheffizientes System. Ein neues, großes Datenleck der Nichtregierungsorganisation "Dossier Center" liefert nun brisante Einblicke in Russlands sogenannte Schattenflotte. Die Daten von rund 85.000 Crewmitgliedern und über 700 Tankern zeigen erstmals im Detail, wie das milliardenschwere Geschäftsmodell hinter den Kulissen funktioniert – und wie Russland auf die härtere Gangart des Westens reagiert.
Monat für Monat spült dieses Netzwerk geschätzt sieben bis zehn Milliarden US-Dollar in die russische Staatskasse. Das Prinzip funktioniert wie eine Hydra über ein dezentrales System aus verschleierten Eigentumsstrukturen und legalen Schlupflöchern:
Lange Zeit ließen europäische Staaten die Tanker gewähren. Doch seit Ende 2024 greifen Marinen und Küstenwachen aus Finnland, Frankreich oder Estland durch. Weil viele Schiffe ohne gültige Flagge unterwegs sind, wurden mehrere Tanker gestoppt und teils beschlagnahmt.
Das geleakte Datenmaterial von NDR und Süddeutscher Zeitung zeigt nun, wie Russland auf dieses Risiko von Boarding-Aktionen reagiert hat:
Seit Anfang 2026 verschwinden die Söldner jedoch wieder. Der Grund: Die Strategie hat sich geändert. Die Schattenflotte wird "russischer". Anfang 2023 war nur etwa ein Drittel der Kapitäne russisch, Anfang 2026 sind es bereits über 75 Prozent. Zudem wechseln immer mehr Schiffe direkt unter die russische Flagge. Das macht den Zugriff für den Westen schwerer, da für das Betreten eines Schiffes rechtlich die Erlaubnis des Flaggenstaates nötig ist. Das eigene Personal lässt sich für Moskau zudem leichter kontrollieren.
Während Nachbarstaaten hart durchgreifen, herrscht in Deutschland laut Politikern wie Robin Wagener (Grüne) zu große Zurückhaltung. Die Schattentanker steuern deutsche Gewässer gezielt an, weil sie dort weniger Kontrollen befürchten. Die Forderung an die Bundesregierung ist klar: Bundespolizei und Marine brauchen endlich den politischen Auftrag, um Nord- und Ostsee nicht zum Rückzugsort für Putins Geisterflotte werden zu lassen.